Kontakt

Ärztliche Leitung
Prof. Dr. Diana Arweiler-Harbeck

Sekretariat
Fax0201 723 6841
E-Mail
Rehabilitation
Heike Bagus
audiol.-therap. Leitung CIC Ruhr

Bagus Service und ReHabilitation
Plümerskamp 10
45276 Essen
Fax0201 8516552
E-Mail
Terminvergabe Erwachsene



Fax0201 723 5903
E-Mail
Akustische Beratung
Sandra Bagus
Hörakustik- und Augenoptikmeisterin

Bochumer Straße 40
45276 Essen
Fax0201 85125-25
E-Mail
Terminvergabe Kinder Pädaudiologie



Fax 0201 723 5519
E-Mail

Cochlear Implant Centrum Ruhr

Mit der Entwicklung des Cochlea Implantats ist es erstmals gelungen, ein Sinnesorgan zu ersetzen und somit tauben Menschen, die von einem Hörgerät keinen Nutzen haben, das Hören zu ermöglichen.

Europaweit waren 2018 mehr als 150.000 hörgeschädigte Menschen mit einem CI versorgt, davon 40.000 in Deutschland; weltweit sind es fast 400.000. Davon sind 40 % Kinder. (Quelle: European Association of Cochlear Implant Users (EURO-CIU)). In den 70er Jahren erhielten die ersten ertaubten Erwachsenen – 1981 erstmals Kinder- ein Cochlea Implantat. Seitdem hat die Entwicklung dieses Systems große Fortschritte gemacht, aus der Versorgung im Ausnahmefall ist ein Standardeingriff geworden.

Was ist ein Cochlea Implantat (CI)?


Ein Cochlea Implantat ist eine Hörprothese, die ertaubten Menschen ein Hörempfinden und Sprachverstehen ermöglicht. 

Es ersetzt die Hörfunktion des Innenohres, indem der noch funktionsfähige Hörnerv elektrisch gereizt wird. 

Das CI besteht aus zwei Komponenten: 

  • Das eigentliche Implantat (1), das im Rahmen einer Operation eingesetzt wird. Dabei wird das Implantat unter der Haut fixiert und der dazugehörige Elektrodenträger in die Hörschnecke eingeführt. 
  • Der Sprachprozessor (2) mit Sendespule wird außen am Kopf getragen, hält über einen Magneten und ist jederzeit abnehmbar. Hier werden die Schallwellen aufgenommen. Der Sprachprozessor verarbeitet die Sprache, bestimmt ihre Bestandteile und sendet den so entstandenen elektrischen Code zur Sendespule. 

Diese gibt den Code durch die intakte Haut an das Implantat (Empfänger und Reizgeber), das unter der Haut liegt, weiter. 

Im Implantat wird der vom Sprachprozessor erstellte Code in elektrische Stromsignale umgewandelt. Über eine    Kabelverbindung gelangen diese elektrischen Impulse zu dem Elektrodenträger (3), der in die Hörschnecke vorgeschoben wurde. 

Die Elektroden stimulieren den Hörnerven, der die Signale an das Gehirn weiterleitet. Die Signale können durch Weiterverarbeitung im Gehirn als Geräusche und Sprache interpretiert werden: Es entsteht ein Höreindruck.

Weitere Informationen

pdf Cover
MRT Freigabe Cochlear®
PDF-Dokument, 416 kBLaden
pdf Cover
MRT Freigabe Advanced Bionics®
PDF-Dokument, 2 MBLaden
pdf Cover
MRT Freigabe Oticon®
PDF-Dokument, 218 kBLaden
pdf Cover
MRT Freigabe MedEl®
PDF-Dokument, 3 MBLaden
pdf Cover
Impfinformationen
für CI-Träger
PDF-Dokument, 696 kBLaden


Bei vielen Menschen liegt die Ursache einer Hörstörung im Innenohr. Hier sind die Hörsinneszellen, die akustische Informationen verstärken und normalerweise an den Hörnerven weiterleiten, geschädigt (z.B. durch Lärm, Medikamente, Erkrankungen, alters- oder lärmbedingt) oder von Geburt an (verschiedene Syndrome, Connexin 26 Mutation, Infektionen während der Schwangerschaft, Probleme bei der Entbindung) nicht funktionstüchtig. In komplexen Fällen suchen wir gemeinsam mit dem Essener Zentrum für Seltene Erkrankungen (EZSE)  nach den Ursachen.

 

Besteht nur eine geringe Schädigung, so sind oft Hörgeräte ausreichend. 

 

Ist die Schädigung jedoch hochgradig, kann ein Cochlea Implantat sinnvoll sein.
Besteht eine Taubheit, weil der Hörnerv nicht angelegt ist oder elektrische Informationen nicht weiterleiten kann, hat der Patient von einem Cochlea Implantat keinen Nutzen. 

Ein Cochlea Implantat ist für Taube oder hochgradig Schwerhörige geeignet, die von einem Hörgerät keinen Nutzen mehr haben, d.h.

  • (Klein)-Kinder mit angeborenem hochgradigem oder vollständigem beidseitigem Hörverlust
  • Jugendliche und Erwachsene mit hochgradiger Schwerhörigkeit oder Ertaubung nach Spracherwerb.


Unabdingbare Voraussetzungen sind:

  • trotz optimal angepasster Hörgeräte kein ausreichendes Sprachverständnis
  • intakter Hörnerv zur Weiterleitung der elektrischen Signale ans Gehirn

Erwachsene können nur dann von einem Cochlea Implantat profitieren, wenn sie als Kind sprechen gelernt haben, die Ertaubung also nicht seit frühester Kindheit oder Geburt besteht. 

 

Taub geborene oder hochgradig schwerhörige Kinder sollten so früh wie möglich, am besten in den ersten beiden Lebensjahren, Cochlea Implantate erhalten. 

 

Sinnvoll ist eine gleichzeitige Versorgung beider Ohren in einer Operation, mindestens aber in zwei Eingriffen in kurzem Abstand, da es sonst zu einer ungleichen Hörbahnreifung und einem ungleichen Höreindruck kommen kann.

 

Kinder, die in einem höheren Lebensalter implantiert werden und taub geboren wurden, erzielen in den meisten Fällen weniger gute Ergebnisse.

 

Auch Patienten mit einseitiger Taubheit können von einer Cochlea Implantation profitieren, wenn eine Hörgeräteversorgung nicht mehr möglich ist. 

 

Dies kann insbesondere zu einer Verbesserung des Richtungshörens und des Hörens im Störlärm (Schule, Arbeit, Verkehr, Einkaufen, Restaurantbesuch) führen. In bestimmten Fällen kann auch eine Versorgung mit einem knochenverankerten Hörgerät (sog BAHA) oder eine Hörgeräte–Cross-Versorgung sinnvoll sein. Dies wird durch unsere Voruntersuchung abgeklärt.

Aus einer inzwischen großen Zahl von Cochlea-implantierten Patienten mit einseitiger Taubheit und mittel- bis hochgradiger mit einem Hörgerät versorgten Schwerhörigkeit auf der Gegenseite weiß man, dass diese Kombination bei elektrischer Stimulation auf der einen Seite und akustischer Stimulation auf der anderen Seite zu einer deutlichen Verbesserung des beidohrigen Hörens führt und auch vom Gehirn verarbeitet werden kann. Voraussetzung ist eine genaue Abstimmung der beiden Hörsysteme aufeinander, damit es zu einem klaren Höreindruck kommt. 

Grundsätzlich wird so schonend wie möglich operiert, das heißt vorhandene anatomische Strukturen im Mittelohr und insbesondere in der Hörschnecke sollten möglichst in großem Umfang erhalten bleiben.

 

Bei vorhandenem Restgehör werden zusätzliche Maßnahmen (z.B. Wahl besonderer Elektroden, Gabe von bestimmten Medikamenten während der Operation) ergriffen, um dieses möglichst zu erhalten. Die Chancen hierbei liegen laut Weltliteratur durchschnittlich bei etwa 60%.

 

Zusätzlich stehen uns seit einiger Zeit intraoperative elektrophysiologische Messmethoden (sog. Elektrocochleographie) zur Verfügung, mit denen man auch während der Operation bereits Aussagen zum Erhalt des Gehörs machen kann Link Pressemitteilung Deutschlandfunk .

Um endgültig mit Ihnen zu entscheiden, ob eine Operation für Sie bzw. Ihr Kind sinnvoll ist, sind einige Voruntersuchungen notwendig, die wir für Sie organisieren. 

Diese können bis auf wenige Ausnahmen ambulant durchgeführt werden:

  • ausführliche Hörtests (Hirnstammaudiometrie, sog. BERA, Elektrocochleographie etc.)
  • bildgebende Maßnahmen (Computertomographie und/oder Kernspintomographie)
  • eine kinderärztliche bzw. neurologische Untersuchung
  • augenärztliche Untersuchung (optional)
  • gegebenenfalls in der humangenetische Beratung (bei V.a. angeborene bzw.  genetische Hörstörungen) 

Weiterhin erforderlich:

  • Überprüfung der Hörgerätefunktion gegebenenfalls Neuanpassung, falls hiermit noch eine Verbesserung des Höreindrucks zu erreichen ist
  • Vorstellung in unserem ambulanten Rehazentrum (CIC Ruhr[U1] ) zur Information  über die an die Operation anschließende Hör- und Sprachrehabilitation bei speziell geschulten Logopäden und Hörgeschädigtenpädagogen
  • Kontakterstellung zu den  Betreuern in den Kindergärten und Schulischen Einrichtungen in denen Ihre Kinder betreut werden. Hierbei berät uns schon seit Jahren die LVR[U2] – David–Ludwig-Bloch-Schule in Essen

Der operative Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Hierbei wird ein Hautschnitt von ca. 4 bis 5 cm Länge hinter dem Ohr angelegt. Der Warzenfortsatz wird aufgebohrt und ein Lager für das Implantat gefräst. Nachdem die untere Windung der Hörschnecke dargestellt ist, wird der Elektrodenträger des Implantates in die Windungen der Hörschnecke eingeführt und befestigt. Noch während der Operation wird gemessen ob das Implantat funktioniert und ob die Signale über den Hörnerven an das Gehirn weitergeleitet werden und auch verarbeitet werden.

Zum Verschluss der Wunde werden insbesondere bei Kindern selbst auflösende Fäden verwendet. Nach der Operation wird noch im OP eine Schichtaufnahme (DVT)  von der Schnecke mit Implantat als zusätzliche Lage- und Qualitätskontrolle angefertigt. 

 


In der Regel können Sie bzw. Ihr Kind am 4./5. Tag nach der Operation die Klinik verlassen. Nach 1 bis 4 Wochen, wenn die Wunde komplett reizlos ist, kann die Sprachprozessoranpassung erfolgen und mit der Rehabilitationstherapie  (s.u.) begonnen werden. Die Mitarbeiter des Reha-Teams werden noch in der Klinik mit Ihnen Kontakt aufnehmen und den weiteren Verlauf besprechen.
Durch täglich durchgeführte Verbandswechsel und Wundkontrollen von erfahrenen ärztlichen Kollegen unserer Abteilung wird sichergestellt, dass mögliche Komplikationen, wie z.B. Wundinfektionen, rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Bei Operationen von Kleinkindern und Kindern ist eine zusätzliche Unterbringung eines Elternteils im selben Zimmer möglich. Dieses wird selbstverständlich vor Operation mit Ihnen besprochen.
Eine Entfernung von Nahtmaterial insbesondere bei Kindern ist nach der Operation nicht notwendig, da wir selbst auflösende Nähte benutzen. Eine postoperative Kontrolle durch uns wird nach 3, 6, 12 Monaten in Absprache mit unserer Reha – Einrichtung und anschließend jährlich in der ambulanten CI-Sprechstunde erfolgen. 

Drei bis vier Wochen nach der OP bereiten wir in unserem Cochlea Implant Rehabilitationszentrum in Essen – Steele den Patienten und die Angehörigen auf die Erstanpassung vor: Zubehör und die einzelnen Teile des CI-Systems werden ausführlich erklärt, für Fragen ist ausreichend Zeit.

Ca. vier Wochen nach der OP erfolgt dann die Erstanpassung. Als Grundlage für die ersten Hörprogramme dienen die Messungen, die bereits im OP durchgeführt wurden.
So ist auch bei kleinen Kindern oder mehrfach behinderten Patienten eine optimale Anpassung möglich.
Um ausreichend Zeit für die Messungen und Fragen zu haben, planen wir 2 Stunden dafür ein.

In den folgenden Wochen und Monaten führen wir eine Reihe von Folgeanpassungen durch, in denen die „Lautstärke“ angehoben wird und verschiedene Systemeinstellungen optimiert werden.

Zur Kontrolle werden regelmäßig Hörtests durchgeführt. So kann die Anpassung optimal auf die therapeutisch-pädagogische Rehabilitation (im Folgenden kurz „Reha“ genannt) abgestimmt werden.

Parallel zu den technischen Anpassungen erfolgt die Hör-Sprach-Therapie, die sich über 2-3 Jahre hinzieht und in der Regel 1 x wöchentlich 1 Stunde stattfindet.

Ein gehörlos geborenes Kind muss das Hören und die Sprache erst erlernen.
Eine Grundlage dafür ist die bestmögliche Hörfähigkeit, die durch die oben beschriebene Anpassung gewährleistet wird.
Techniker, Therapeuten und Pädagogen müssen ihre Arbeit fein aufeinander abstimmen, damit  möglichst gute Ergebnisse erzielt werden können.
Um die Familien so wenig wie möglich zu belasten, führen wir die Reha ambulant durch: d.h. in der Regel  findet wöchentlich eine Therapiesitzung statt.
Hierbei wird immer erst das Gerät überprüft, dann erfolgt die Hör-Sprach-Therapie.
Diese ist auf das Hören und Verstehen lernen ausgerichtet und wird mit altersentsprechenden Materialien durchgeführt.
Den jeweils individuellen Bedürfnissen wird hierbei Rechnung getragen. Eltern und Kontaktpersonen  werden in hörförderndem Verhalten angeleitet und unterstützt.
Auch der Kontakt zur betreuenden pädagogischen Einrichtung und zu externen Therapeuten wird  zum Wohl der kleinen Patienten gepflegt.

Die post-operative Reha bei Erwachsenen konzentriert sich – neben der technischen Anpassung- auf differenziertes Hörtraining und Lösungen für die alltäglichen Hörsituationen: Handhabung des Sprachprozessors, Nutzung verschiedener Hörprogramme und des Zubehörs.
Das Hörtraining wird abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten und seine Fortschritte in der Rehabilitation.
Es werden  Übungen zur Unterscheidung und Erkennung von  Wörtern und Sätzen durchgeführt: anfangs in Ruhe, später mit Störschall. Je nach Sprachverständnis kommen auch Telefontraining und Übungen am PC und Handy (App) dazu.
Auch die Reha der Erwachsenen erfolgt bei uns ambulant.

Die Reha von bilateral versorgten CI-Patienten bedarf besonderen Fingerspitzengefühls und wurde in den vergangenen Jahren bei uns sehr erfolgreich durchgeführt.
Unser Konzept zielt darauf hin, das Alltagsgeschehen und Situationen im Störschall mit beiden Geräten bewältigen zu lernen (Schule, Beruf, Straßenverkehr), sowohl  bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen.
Dieses Vorgehen hat sich sehr bewährt. So lernen beide CIs beim Richtungshören und Verstehen in Störschall zusammenzuarbeiten. Zudem wird das „neue“ CI allmählich konkurrenzfähig mit dem „alten“; Frust wird vermieden.

Durch das mehrsprachige (u.a. türkisch, arabisch, englisch, deutsch) interdisziplinäre Team hoch motivierter und engagierter Mitarbeiter können wir unseren CI-Trägern eine effektive Rehabilitation ermöglichen.
Das wird auch durch die Zertifizierung des CIC Ruhr bestätigt (ISO 13485).
Wir nehmen neue Ideen auf, gehen „mit dem Zahn der Zeit“ und sind stets bemüht, individuelle und optimale Lösungen für unsere Patienten zu finden.